KI Führerschein Lehrkräfte

Was kann KI leisten? – adapative Unterrichtsform

Von der Homogenisierung von Lernenden  zur Heterogenität, die als Chance für das schulische Lernen und nicht als Herausforderung begriffen wird – das klingt schlüssig, aber was bedeutet adaptiver Unterricht überhaupt?

Adaptiver Unterricht bezeichnet eine Gesamtunterrichtsstrategie und ist ein ständiger Prozess. Kontinuierlich werden Unterrichtsangebote an die individuellen Lernvoraussetzungen von Schüler*innen angepasst. Dazu wird eine professionelle Diagnostik durchgeführt, die den Prozess des Lernens kontinuierlich begleitet. Während der Lernprozesse reduziert die Lehrkraft den Grad der Unterstützung und fördert somit die zunehmende Verantwortung für das eigenen Lernen (Scaffolding; Dumont et al., 2024; S. 201).
Das Unterrichtsangebot verändert sich auf der langfristigen Makroebene, etwa durch die Anpassung der Unterrichtsmethoden, der Lernmaterialien, des Schwierigkeitsgrades und der Lerninhalte. Auf der situativen Mikroebene werden auch ständig Anpassungen vorgenommen, z. B. durch Fragen, individuelle Herausforderungen, Modellierungen, Ermutigungen und durch Erklärungen. Es geht also um die Lernentwicklung eines jeden einzelnen Schülers bzw. Schülerin (formatives Feedback)

Durch empirische Studien konnte nachgewiesen werden, dass Adaptivität ein Indikator für die Unterrichtsqualität ist.

An diesen Merkmalen erkennen Sie, ob eine Schule mit adaptiven Unterrichtsformen arbeitet (Dumont et al., 2024, S. 203):

  • Große Bedeutung von selbstreguliertem Lernen (z. B. Freiarbeitsphasen)
  • Schüler*innen setzen sich eigene Lernziele
  • Etablierte Paten- oder Unterstützungssysteme unter den Schüler*innen
  • Flexibilität in der Organisation von Unterricht
  • Lernen findet im ganzen Schulhaus statt
  • Kein 45- oder 90-Minuten-Rhythmus
  • Team-Teaching

Selbstverständlich ist adaptiver Unterricht für Lehrkräfte anspruchsvoll umzusetzen. Genau hier eröffnet KI neue Möglichkeiten. KI kann Daten aus Lernprozessen analysieren und daraus Rückmeldungen ableiten. Sie kann Lernstände erfassen, Lernverläufe dokumentieren und Schüler*innen als digitale Lernbegleiter unterstützen (die 3 „Ds“: Diagnose, Differenzierung, Dokumentation).

  • Diagnose und Feedback: KI-gestützte Tests liefern sofortige Rückmeldungen zum Lernstand und schlagen nächste Lernschritte vor.
  • Individuelle Lernpfade: Systeme passen Aufgaben automatisch an das Niveau der Lernenden an, sodass Unter- oder Überforderung reduziert wird.
  • Entlastung im Alltag: Lehrkräfte erhalten Unterstützung bei Korrekturen (gesetzlichen Rahmen beachten!), bei der Erstellung differenzierter Materialien oder bei der Organisation von Lernständen.
  • Förderung von Selbstregulation: Digitale Lernbegleiter ermutigen Schüler*innen, eigene Ziele zu setzen und Lernfortschritte sichtbar zu machen.


Es soll betont werden, dass KI unterstützen kann, aber Lernen ist immer Beziehungsarbeit und benötigt „echte“ Lehrkräfte.

Verwendete Literatur:
 

Dumont, H., Decristan, J., & Fauth, B. (2024). Adaptiver Unterricht erfordert eine adaptive Unterrichtsforschung. Unterrichtswissenschaft, 52(2), 199–211. https://doi.org/10.1007/s42010-024-00198-1